Dülken

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Dülken ist mit gut 20.000 Einwohnern nach Alt-Viersen der zweitgrößte Stadtteil von Viersen (Nordrhein-Westfalen). Der Ort liegt am Südrand des Niederrheinischen Tieflandes. Das Stadtgebiet grenzt an die Viersener Stadtteile BoisheimSüchtelnAlt-Viersen und an Amern, einen Stadtteil von Schwalmtal. Im Süden grenzt es an das Stadtgebiet von Mönchengladbach.

In Dülken entspringt die Nette, ein Nebenfluss der Niers.

Ehemaliges Stadtwappen von Dülken

Geschichte

Um das Jahr 54 -51 vor Christus wurden die Eburonen nach ihrer Beteiligung an einem Aufstand gegen die Römer (im gallischen Krieg) in Rachefeldzügen geschlagen. Entsprechend weisen Siedlungsfunde einen deutlichen Schnitt in der kulturellen Entwicklung auf. In der Nähe war auch der keltische Stamm der Menapier[1] angesiedelt. Sie wurden durch die Römer verdrängt, die ihrerseits in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts ihre letzten Legionen aus der Rheinregion zurückzogen. Dülken wurde danach römisch.

Erst mit Karl dem Großen, ab 768 zuerst mit seinem Bruder und ab 771 als alleiniger König, gab es wieder größere, gefestigte politische Strukturen in Westeuropa – vor Karls Krönung regierten Fürsten oft kleinere Herrschaftsbereiche. Unter Karl, der bekanntlich später auch Kaiser wurde, entstanden feudale Strukturen, wie sie heute als mittelalterlich bekannt sind. Es folgte die Herrschaft der Franken, die ihr Gebiet in kleine Gaue, beherrscht von den Gaugrafen, aufteilten. Die Region gehörte zum Mühlgau, der erstmals 837 als Grafschaft erwähnt wird und bis zum 10. Jahrhundert bestand.

Seit dem 10. Jahrhundert zerfielen die Gaue in kleine Grafschaften sowie kirchliche und weltliche Grundherrschaften.

Der Dülkener Ortsteil Mackenstein wird 1135 erstmals erwähnt. Dülken wurde um 1210 erstmals erwähnt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dülken dann 1267, als Getreidemengen in umliegenden Gemeinden nach dem „Dülkener Maß“ bestimmt wurden.

1279 erster Hinweis auf Befestigungsanlagen an der Kirche.

1350 bis knapp 1450 kommt es zu ersten dokumentierten Auseinandersetzungen mit Viersen, Grund waren Gebietsstreitereien an der Polhütte.

Dülken erhielt zwischen 1352 und 1364 von Herzog Wilhelm II. von Jülich die Stadtrechte, mit eine Erwähnung im Landfrieden von Rhein und Maas. Zu diesem Zeitpunkt besteht auch bereits eine eigene Stadtverwaltung.

1387 Gewährung von Akzisen und Wegegeld (Steuern) für Ausbau und zur Unterhaltung der Befestigungsanlagen bestehend aus „graven, planken, portzen in andere vestingen“ (Erläuterung: Gräben, Palisaden, Tore und andere Befestigungen.

Ab 1387 prägte Dülken sein eigenes Geld, den Dülkener Pfennig.

Seit 1398 bekam Dülken das Brauprivileg eigenes Bier in ihren Häusern herstellen.

Im 14. Jahrhundert kamen Stadt und Kirspel Dülken über die Attinenz zum Amt Brüggen an die jülicher Grafschaft und verblieb dort bis zur französischen Besatzung. In dieser Zeit war Dülken eine der vier gräflichen (später herzoglichen) Münzstätten[2]. 1400 „Broichportzen“ Bruchtor an der heutigen Venloer Straße.

1404 erhält Dülken eine steinernde Stadtbefestigung.

1422 „Lynden-, Gladbacher oder Hausenportzen“ Gladbachertor im Süden der Stadt.

Bis 1423 ist Dülken Münzstätte des Herzogtums Jülich.

Heute noch erinnert der Name Eligiusplatz an die erste Zunft, welche sich 1433 gründete; Eligius, Schirmherr der Schmiede, stand Pate.

1453 „Stein-, Suchteler- oder Treinckenpforte“ Süchtelnertor im Norden der Stadt.

1474 wird Dülken zum Heerlager für einen Angriff auf Neuss.

Die 1506 errichtete Tränk(en)mühle, die später als erster Sitz der Narrenakademie überregional bekannt wurde, und die 1556 errichtete Hochmühle (oder Höchmühle) waren die herrschaftlichen Kameralmühlen. Bei mangelndem Wind musste in der Brüggener Wassermühle gemahlen werden[2] .

1553 kommt es zu einem großen Brand, dem ca. ein Drittel der Häuser im Stadtgebiet zum Opfer fallen.

1554 ist das Gründungsjahr der Narrenakademie. Somit entsteht hier eine der ältesten Karnevalsgesellschaft.

1568 Bau der Stadtmauer mit 12 Türmen. 1609 wurde die Stadtmauer mit insgesamt 19 Türmen (16 Halbschalen-, ein Rundturm und zwei quadratische Turmtore) fertiggestellt. Erlass einer Wachordnung zur Organisation der Wachdienste und der Verteidigung der Stadt.

1633 folgten Schilderhäuser an der Stadtmauer.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde Dülken 1624 von spanischen Truppen besetzt.

1634 kommt es zu einer großen Pest-Epediemie.

Die dauernden Streitereien der Nachbarn und mehrmalige Besetzungen führen 1642 zur Flucht in die Nachbargebiete von Holland bis Geldern.

1656 Ausbau der Stadttore. 1831 folgte der Abbruch der Stadttore.

1741 wird das erste Doktordiplom der Narrenakademie verliehen.

1749 Gründung der St. Donatus Schützenbruderschaft.

1781 wird in Dülken eine Synagoge errichtet.

Die französische Revolution von 1789 bis 1799 bringt in direkter Folge neue Touristen. Das Erzherzogtum Jülich wird bei Jemappes geschlagen und französische Truppen dringen bis Dülken vor. Sie und preußische Truppen werden in der Stadt einquartiert. Im Gegenschlag vertreiben die Truppen des Herzogs von Braunschweig die Franzosen.

Vom Herbst 1794 bis etwa 1804 besetzten französische Truppen Dülken (Franzosenzeit) und errichten ihr Hauptquartier in Dülken. Von 1794 bis 1814 war der Ort als Mairie (Bürgermeisterei) im Canton Bracht des Département de la Roer(Rur) dem französischen Staatsgebiet eingegliedert. Diese Zeit endete nach der Niederlage Napoleons.

Der Frieden von Basel schlägt alle linksrheinischen Gebiete 1795 zunächst vorläufig Frankreich zu.

1801 wird Dülken offiziell französisch.

1812 müssen die Dülkener Männer und Pferde für französische Eroberungszüge stellen.

1814 wird Dülken von den Franzosen befreit und Teil der Vorgängerländer des deutschen Reichs.

Dülken gehörte seit 1816 zum Kreis Kempen in der Rheinprovinz des Königreichs Preußen. Neben der eigentlichen Stadt Dülken bestand auch noch die eigenständige Landgemeinde Dülken-Land, zu der die Dörfer und Weiler in der Umgebung der Stadt gehörten.[3]

Am 1. Oktober 1836 wird Tien Anton geboren.

1838 wurde die evangelische Kirchengemeinde gegründet.

Mit 14 Brauereien und 4 Brennereien ist Dülken 1844 in der Lage, sich selbst und andere Gebiete zu versorgen. Ein früher Modellversuch zur Energiewende.

1858 wurden beim Umgraben eines alten Ziegelfeldes im Viefental (am Mühlberg) römische Urnengräber aus dem 2. Jahrhundert nach Christus gefunden.

1868 wird eine weitere traditionelle Karnevalsgesellschaft gegründet, das Orpheum.

1874 entstand der bis 1916 genutzte neue jüdische Friedhof am Kampweg.

1889 wird die freiwillige Feuerwehr gegründet.

1895 stirbt Tien Anton.

Im 19. Jahrhundert gab es wie überall in Deutschland ein starkes Bevölkerungswachstum; um die Mitte des Jahrhunderts wanderten mehrere Familien nach Missouri (USA) aus.

Bis 1903 gibt es mehrere Innovationen. Dülken wird von vielen Gaslaternen erhellt und das Kaiser-Friedrich-Bad entsteht als eine klassische Badeanstalt der Kaiserzeit. Hier lernten viele ältere Dülkener schwimmen bis in den 70er Jahren das Sportzentrum Ransberg entstand. Im gleichen Jahr erreicht die Stadt 10.000 Einwohner.

1906 bekommt Dülken einen Straßenbahnanschluss bis Mönchengladbach. Die Bahnen verkehren im 20- bzw. 30-Minuten Takt. Damit ist permanent eine schnelle Anbindung gegeben. Zudem reicht das Gladbacher Gleisnetz „auf der anderen Seite“ bis weit ins Hinterland und nach Krefeld. Endpunkt nach der Strecke quer durch die Stadt ist die Narrenmühle, Dülken hat ein eigenes Straßenbahndepot. Im gleichen Jahr entsteht der erste Fußballclub, der Dülkener FC.

1912 hat Dülken bis auf einige Außengebiete flächendeckend Anschluss. Die elektrische Versorgung ist gewährleistet.

1914-1918 bringt der Erste Weltkrieg deutliche Einschnitte. Die Wirtschaft stagniert fast, über 450 Dülkener verlieren ihr Leben an der Front.

Im Januar 1919 begann die Alliierte Rheinlandbesetzung; 1930 zogen die Truppen wieder ab. Das geräumte Rheinland sollte anschließend Entmilitarisierte Zone bleiben; es wurde ab März 1936 remilitarisiert ( Rheinlandbesetzung); ab dann gab es auch im Rheinland Kriegsvorbereitungen.

Die Gemeinde Dülken-Land wurde am 1. Juli 1927 die Stadt Dülken eingemeindet.

Am 9. November 1938 steckten Nationalsozialisten die Synagoge an der Martin-Luther-Straße in Brand. Zwei Thorarollen und die Kultgegenstände wurden gerettet und bis zur Befreiung 1945 versteckt (sie befinden sich heute in der Krefelder Synagoge).

Am 10. Juni 1940 (einen Monat nach Beginn des Westfeldzugs) fiel die erste Sprengbombe auf Dülkener Gebiet. Bei einem Luftangriff am 3. Dezember 1944 warfen westalliierte Bomber 43 Bomben auf Dülken; 53 Menschen wurden getötet und 43 verletzt.

Ende Februar 1945 rückten Truppen der US Army im Rahmen der Operation Grenade (23. Februar bis 11. März 1945) Richtung Dülken vor.[4] Am 1. März 1945 nahmen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision, nachdem sie in der Nacht zuvor Boisheim eingenommen hatten, Dülken gegen geringen Widerstand ein. Zuvor hatten Wehrmacht-Soldaten etwas südlich – bei Ungerath, Steeg, Hochfeld und Eicken – Widerstand geleistet.[5]

Im März 1945 wird Dülken Teil einer gigantischen Täuschungskampagne der US-Armee (Operation Viersen, Ghost Army), welche deutschen Verbänden die Überquerung des Rheins bei Düsseldorf vorgaukelt, während der tatsächliche Angriff Richtung Wesel passiert.

1945 zum Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Dülken insgesamt 1185 Menschen getötet worden. Dazu kommen deportierte und ermordete Opfer einer einst blühenden, jüdischen Gemeinde. Im gleichen Jahr kommen die ersten Flüchtlinge aus Ostdeutschland.

Am 1. August 1955 wird der Straßenbahnbetrieb eingestellt, Busse übernehmen fortan den Nahverkehr.

1968 gibt Dülken seine Selbständigkeit als Stadt mit einem knappen Ratsbeschluss auf. Bis dahin war die Stadt durchaus als sehr wohlhabend zu bezeichnen.

1970 beginnt die Erschließung des Industriegebiet Mackenstein, einem Gewerbegebiet mit zunächst 83 Hektar.

1976 Nimmt das neue Wasserwerk seinen Betrieb auf.

1977 Wird der Neubau des Altenheims Bodelschwinghwerk-Dülken eingeweiht.

Am 26. April 1968 beschloss der Dülkener Rat mit 17 gegen 14 Stimmen die Bildung der Dreistadt Viersen-Dülken-Süchteln, und im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurde Dülken am 1. Januar 1970 ein Stadtteil von Viersen.[6]

1978 beginnt der Umbau des Alten Waisenhaus. Am Eligiusplatz entsteht in historischer Umgebung ein Veranstaltungs- und Bibliotheksgebäude. Fertigstellung 1980.

1998 gibt es das erste Tien-Anton-Gedächtnisrennen.

2007 findet die erste Dülkener Bierbörse statt. Ein zunächst noch kleines Ereignis, dass sich bis heute zu einer ebenso sympathischen, wie großen Veranstaltung weit außerhalb von Dülken entwickelt hat.

2013 beschließt die Stadt Viersen zusammen mit Mönchengladbach, das Gewerbegebiet Mackenstein kräftig auszubauen. Es soll vom bisherigen Mackenstein bis nach Mönchengladbach reichen.